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Der WALD und seine SCHUTZFUNKTIONEN:
RÜCKBLICK und VORAUSSCHAU aus SCHWEIZER SICHT

Der nachfolgende Beitrag beruht auf überarbeiteten Auszügen der in der Zeitschrift "Umwelt" 2/2001 publizierten Übersicht zum Thema "Schweizer Wald: Von der Katastrophe zur Erfolgsgeschichte - und jetzt?"

Wir danken dem BUWAL Bundesamt für Umwelt , Wald und Landschaft in Bern und der Redaktion für das Einverständnis zur Veröffentlichung dieser Zusammenfassung. Wir sind der Auffassung, dass die Darstellung der forstwirtschaftlichen Entwicklung in der Schweiz exemplarischen Charakter für die Entwicklung des Waldes im Alpenraum ganz generell hat.

1. Umweltschutz begann im Wald

(Auszug aus dem Beitrag von Christian Küchle (BUWAL) und Hans Jakob Baumgartner).

Bereits 1822 warnten Schweizer Forstfachleute vor den drohenden Naturgefahren als folgen des Raubbaus am Bergwald. Die beginnende Industrialisierung hatte die Nachfrage nach Holz angeheizt. Ganze Wälder waren verkauft und kahl geschlagen worden. Die Wirklichkeit gab den Fachleuten recht: 1834 ließen wieder einmal sintflutartige Regenfälle in mehreren Bergkantonen die Flüsse ausufern. Und fünf Jahre später standen manche der verheerten und ihrer forstlichen Schutzfunktion beraubten Täler erneut unter Wasser.

Erste kantonale Forstgesetze wurden erlassen.
Vor allem der 1843 gegründete Schweizerische Forstverein setzte sich hartnäckig für einen besseren Schutz der Wälder ein. Ein von Bern in Auftrag gegebener Unersuchdungsbericht wurde 1862 vorgelegt Nun war es amtlich: Die Gebirgswälder waren in einem desolaten Zustand.

Einmal mehr traten 1868 die Flüsse in mehreren Bergkantonen mit großer Zerstörungen über die Ufer. 50 Menschen starben. Dass selbst Städte im Mittelland in Mitleidenschaft gezogen wurden, machte den Schutz der Bergwälder zu einem nationalen Anliegen. Erleichtert wurde dieser Umdenkungsprozess, weil die ersten Güterzüge mit billiger Importkohle in die Städte eingefahren waren. Das teurere Holz verlor an Attraktivität.

1876 trat das zwei Jahre vorher erlassene "Bundesgesetz betreffende die Oberaufsicht des Bundes über die Forstpolizei im Hochgebirge" in Kraft. Rodungen wurden fortan bewilligungspflichtig, die zulässige Nutzung auf den Holzzuwachs beschränkt. Dieser wichtige Grundsatz gilt heute noch - in einem erweiterten Sinn: Das 1993 in Kraft getretene "Bundesgesetz über den Wald" verpflichtet zur Nachhaltigkeit bezüglich sämtlicher Schutz-, Wohlfahrts - und Nutzfunktionen des Waldes.

Die Bevölkerung hat heute nach wie vor freien Zutritt zum Wald. Beschränkungen sind aber möglich, wo es die Erhaltung des Waldes oder andere öffentliche Interessen, wie namentlich der Schutz von Pflanzen und Tieren, erfordert. Dies gilt beispielsweise bei störungsempfindlichen Rauhfußhühnern. Motofahrzeugverkehr ist im Wald und auf Waldstrassen verboten, außer zu forstlichen Zwecken.

Der BUND subventioniert heute die Bewirtschaftung und Pflege der Wälder.

Finanzielle Hilfen gibt es beispielsweise für die Instandsetzung von Schutzwäldern, die Erarbeitung forstlicher Planungsgrundlagen, für Maßnahmen zur Verhütung von Waldschäden, für Erschließungen oder zur Absatzförderung bei außergewöhnlichem Holzanfall.

Für Bergwälder werden vom BUND Förderbeiträge von ca. 178 SFr. pro Hektar ausgesetzt. Förderungsbeiträge von BUND und Kantonen in SFr. Pro Hektar: Mittelland und Jura = 97; Bergwälder = 178

Die Kosten der Holzernte liegen in der Schweiz seit 10 Jahren deutlich höher als die entsprechenden Erlöse. Gleichzeitig nimmt die Waldfläche in der Schweiz aufgrund stagnierender Durchforstung und Absatzproblemen laufend zu.

Schweizer Forst
Kosten der Holzernte in der Schweiz , in SFr.
Region 1990 1999
Mittelland ~ 64 ~ 62
Jura ~ 70 ~ 68
Alpen ~ 130 ~ 114
Quelle: Waldwirtschaft Verband Schweiz,
Betriebswirtschaftliche Untersuchungen
Holzerlöse im Mittel aller Sortimente, in SFr. pro Kubikmeter

Region 1990 1999
Mittelland ~ 118 ~ 95
Jura ~ 108 ~ 92
Alpen ~ 100 ~ 88
Quelle: Umwelt, 2/2001, Bern


Holzerlös in der Schweiz, in SFr. Pro Hektar Wald (1999)

Mittelland und Jura 900
Alpen 255
Quelle: Bundesamt für Statistik BFS
Schweiz. Forststatikstik


Waldarreal der Schweiz (in Quadratkilometer)

1862 7700
1995 12300
Quelle: WSL und BUWAL, 1999: Schweizerisches Landesforstinventar, Ergebnisse der Zweitaufnahme 193 - 1995;

2. Mehr Holz nutzen hilft auch den Schutzwäldern

überarbeiteter Auszug aus dem Beitrag von Urs Fritze

Der Jungwaldanteil im Schweizer Wald ist zu gering . Gemäß Landesforstinventar ist die Fläche der Bestände in der Altersklasse bis 30 Jahre zwischen 1985 und 1995 geschrumpft; bei den Beständen in den Altersklassen über 90 Jahre ist die Fläche hingegen größer geworden.

Fazit: Es sind zu wenig Altbestände verjüngt worden. Der Bestandesaufbau ist aber ein wichtiger für die Stabilität des Waldes, namentlich den Schutzwäldern.

Gemäß Landesforstinventar wachsen im Schweizer Wald jährlich rund zehn Millionen Kubikmeter Holz nach. Gefällt werden lediglich sieben Millionen. Davon bleibt ein Teil als Ernteverlust im Wald liegen. Auf den Markt gelangen knapp fünf Millionen Kubikmeter. Damit nimmt der Holzvorrat im Wald ständig zu. Die Schweiz liegt mit einem Wert von 367 Kubikmeter pro Hektar Waldfläche weltweit an der Spitze. Im Vergleich hierzu andere Länder mit Alpenanteil.

Region Holzvorrat in Kubikmeter pro Hektar (1995)
Italien 109
Frankreich 116
Österreich 266
Deutschland 271
Schweiz 361
Quelle: Eurostat.Forststatistik 1992-1996

Gelingt es nicht, das noch brachliegende Marktpotential für einheimisches Holz auszunutzen, werden die Vorräte bis zum Jahr 2015 in der Schweiz auf 400 Kubikmeter pro Hektar steigen.

Noch bis in die 80er Jahre wiesen die Erfolgsmeldungen der Schweizer Forstbetriebe schwarze Zahlen aus. Seither ist es nur noch bergab gegangen, und seit 10 Jahren gehören rote Zahlen auch in den topographisch günstigen Betrieben im Flachland zum Alltag. Handelshemmnisse gelten schon seit längerem nicht mehr.

Die Holzerlöse sind in der Schweiz seit Anfang der 80er Jahre um über 50 % gesunken. Weltweit gehandelt werden heute vor allem Papier und Zellulose, während anderen Holzprodukte primär innerhalb Europas verschoben werden. So exportiert die Schweiz jährlich rund 1,5 Millionen Kubikmeter Rohholz, - ein Drittel Ihrer Jahresproduktion - und führt gleichzeitig 900 000 Kubikmeter ein. Das Land wäre ohne weiteres in der Lage, seinen gesamten Holzbedarf von rund 7 Millionen Kubikmetern selbst zu decken.

3. Aublick: "Die Waldwirtschaft erbringt einen Service public"

Auszug aus den Abschlussstatement von Werner Schärer, Eidg. Forstdirektor

"Mittelfristige Ziele sind für mich: Naturnaher Waldbau in allen bewirtschaftete Schweizer Wäldern, weitgehende Nutzung des Holzzuwachs - was die heute genutzte Holzmenge (in der Schweiz) von fünf auf acht Millionen Kubikmeter erhöhen würde - und Forstbetriebe mit Strukturen, die optimale Abläufe ermöglichen.

Als Vision sehe ich eine Gesellschaft, die eine nachhaltige Waldwirtschaft als partnerschaftliche Aufgabe versteht und in dem der BUND, die Kantone und Verbände programmatisch an der Erreichdung gemeinsamer Ziele arbeiten."