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Holzwege führen zum Ziel -
konkrete Beispiele einer waldbesitzenden Gemeinde

Gerda Stuchlik

Gerda Stuchlik ist Bürgermeisterin von Freiburg im Breisgau , Dezernat für Umwelt, Bildung und Sport. Sie engagiert sich auf breiter Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Stadt. Als Mitglied des ALPENFORUM hat uns Frau Stuchlik ihr Einführungsreferat zur Verfügung gestellt, welches sie anlässlich der 3. Freiburger Holzbautagung am 14. 11. 2001 gehalten hat. Sie erläutert darin exemplarisch konkrete Initiativen zur sinnvollen Nutzung von Holz in einer waldbesitzenden Gemeinde Weise Wir veröffentlichen eine leicht gekürzte Fassung dieses Vortrages.

1. Einleitung
Unter der Überschrift "Holzwege führen zum Ziel - konkrete Beispiele einer waldbesitzenden Gemeinde" möchte ich Beispiele für die breite Palette kommunaler Handlungsspielräume im Hinblick auf die Beschlüsse von Rio benennen und deren Umsetzung im Rahmen der Lokalen Agenda 21 am Beispiel unserer Stadt darstellen. Der Beginn des dritten Jahrtausends ist gekennzeichnet durch eine Kette hochkomplexer, globaler Probleme, namentlich u. a. Klimawandel, steigender Ressourcenverbrauch, Endlichkeit fossiler Energieträger oder Bevölkerungsexplosion. Die Deponiefähigkeit unseres Planeten neigt sich, was Müll, Treibhausgase wie Kohlendioxid und andere Emissionen angeht, dem Ende zu. Die Schonung endlicher Ressourcen einerseits durch Effizienzsteigerung und sparsamen Umgang (Suffizienz) auf der anderen Seite ist ebenso erforderlich wie die Entwicklung von ressourcen- und klimaschonenden Verfahren. Die Riokonferenz (1992) hat dabei zwei Dinge verdeutlicht: a) Die genannten Probleme sind globaler Natur und betreffen Industrienationen wie Entwicklungsländer gleichermaßen. b) Lösungsansätze für diese komplexen Probleme können am sinnvollsten in der kleinen Einheit - auf lokaler Ebene unter Einbeziehung aller Akteure - umgesetzt werden. Das Motto "global denken - lokal handeln" drückt aus, dass es keine globale Patentlösung gibt.

2. Kommunale Verantwortung

Kommunen treten als Handlungsträger in den Vordergrund, weil sie als unmittelbarste politische Entscheidungsebene

  • ein hohes Maß an Verantwortung für Gegenwart und Zukunft tragen
  • als Träger der kommunalen Planungs- und Handlungshoheit über erhebliche Handlungsspielräume und Flexibilität verfügen
  • Schnittstellen für Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bür-gerschaft bilden und
  • Vorbildfunktion für privates und wirtschaftliches Handeln haben.

Gerade im Hinblick auf die Steigerung der Holzverwendung kommen diese Vorteile kommunaler Selbstverantwortung besonders zum Tragen.

Die meisten Gemeinden sind gleichzeitig auch Waldbesitzer und damit sowohl Produzenten als auch Verbraucher von Holz . Deshalb sind sie prädestiniert, lokale, klimaschonende Konzepte mit diesem einzig verfügbaren nachwachsenden Rohstoff zu entwickeln.

Was kann eine waldbesitzende Gemeinde als Beitrag leisten ?

Waldbesitzende Gemeinden können in mehrfacher Hinsicht zur Kohlendioxidreduktion und zum Ressourcenschutz als Bausteine des Klimaschutzes beitragen:

  • Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs
  • Stärkung regenerativer und CO2-neutraler Energieträger (Solartechnik, Einsatz von Holz/Biomasse)
  • Walderhaltung und nachhaltige Dauerwaldwirtschaft
  • Steigerung der Holzverwendung im Baubereich

Gerade die Holzverwendung im Baubereich ist wegen des doppelten Klimaentlastungseffektes von herausragender Bedeutung. Zum Einen wird das im Holzkörper gebundene CO2 der Atmosphäre langfristig entzogen. Der Klimaentlastungseffekt ist hierbei ungleich höher als bei kurzlebigen Produkten wie Papier. Zum Anderen werden Primärenergien und CO2-Emmissionen durch die Verwendung des umweltfreundlichen Rohstoffes Holz anstelle anderer Baustoffe (z. B. Stahlbeton) eingespart.

Über die bisherigen Maßnahmen zur Förderung der Holzverwendung hinaus gibt es noch weitere CO2-Einsparungspotentiale in der Bundesrepublik durch Material-Substitution und CO2-Bindung im Baustoff Holz. Vor dem Hintergrund der im Kyoto-Protokoll festgehaltenen Verpflichtung der Bundesrepublik zur Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 % bis zum Jahre 2010 gewinnt dieses Thema zwangsläufig an Bedeutung. Ihre Tragweite wurde jedoch bisher nicht ausreichend erkannt.

Ebenfalls noch nicht ausreichend thematisiert sind die sonstigen Vorteile der Holzverwendung wie:

  • Abfallreduzierung bei Verzicht auf Holzschutzmittel (v.a. bei Douglasie, Lärche)
  • Abfallfreie Kreislaufwirtschaft mit Kompostierung oder thermischer Verwertung am Endpunkt
  • Verminderung des Flächenverbrauchs durch die genutzte, aber nicht verbrauchte "Produktionsstätte Wald", die gleichzeitig wichtige Schutz- und Erholungsfunktionen erfüllt und mit Sonnenergie betrieben wird
  • Energiesparende Produktion des Bauholzes
  • gesundes Wohn- und Arbeitsklima: gewinnt in unserer Industriegesellschaft an Bedeutung (beispielsweise in Büros, Kindergärten, Schulen, Fertigungshallen etc.)

Voraussetzung für eine solche Entwicklung ist eine umfassend nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Verarbeitung des CO2-neutralen Rohstoffes Holz in möglichst langfristigen Produkten. Holz ist der Rohstoff der Zukunft. Global werden nur 10 % der Wälder nachhaltig bewirtschaftet. Trotzdem ist Holz mit ca. weltweit 3,5 Milliarden cbm Nutzungsmasse pro Jahr bereits heute der wichtigste Rohstoff noch vor den fossilen Rohstoffen! Allerdings wird der größte Teil dieses Holzes bisher nicht nachhaltig, meist im Raubbau in Tropen/Subtropen und dem borealen Nadelwald, gewonnen und zu kurzlebigen Produkten wie Papier verarbeitet. In Kanada endet jeder fünfte genutzte Baum in den Papiermühlen. Der Papierverbrauch der Europäer hat sich seit 1950 verfünffacht und liegt bei 130 kg/EW/a - Tendenz steigend !

3. Konkrete Umsetzung und Beispiele in Freiburg

a) umfassend nachhaltige Waldwirtschaft:

Mit 5.200 Hektar Waldbesitz gehört die Stadt Freiburg zu den größten kommunalen Waldbesitzern in Deutschland. Die Lebensqualität der Stadt wird entscheidend durch den Wald, der insgesamt 43 % der Gemarkung bedeckt, geprägt. Zu den charakteristischen Merkmalen des Freiburger Stadtwaldes gehören neben seiner Vielfalt und Schönheit:

  • die kahlschlag- und pestizidfreie Dauerwaldwirtschaft
  • Naturverjüngung bei ökologisch angepassten Schalenwildbeständen
  • die Zertifizierung nach den Prinzipien des FSC
  • vorbildliche Erholungsinfrastruktur
  • Besucherlenkungskonzepte
  • ökologische Sonderprojekte (Totholzkonzept, Schutzgebiete, Wiederbewässerung Mooswald etc.)

Oberstes Ziel ist eine umfassend nachhaltige Waldnutzung, d.h. gleichermaßen umweltverträglich, wirtschaftlich tragfähig und sozial verantwortlich. Damit soll der Stadtwald sowohl als Wirtschaftsbetrieb und Rohstofflieferant erfolgreich sein und weiterhin Arbeitsplätze in der Kommune sichern als auch den Erholungsbedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden und gleichzeitig als artenreicher, intakter Naturraum wichtige Schutzfunktionen erfüllen. Diese Optimierung des Gesamtnutzens wurde in der Freiburger "Waldkonvention" mit dem Gemeinderat abgestimmt. Erstmals wurden hier konkrete Oberziele der Waldnutzung in Freiburg vereinbart und konkretisiert Die Waldkonvention stellt einen auf breiter Basis diskutierten Konsens über die Freiburger Waldnutzung dar.

Diese ausgewogene Zielsetzung steht auch hinter dem unabhängigen Zertifikat FSC (Forest Stewardship Council), nach welchem der Stadtwald Freiburg als erster süddeutscher Betrieb im Jahre 1999 zertifiziert wurde. Auch die Frage der Zertifizierung wurde mit den Interessenvertretungen der Jägerschaft, Umweltverbänden, Holzkunden und Bürgerschaft mit dem Ziel eines Konsens zwischen allen Gruppierungen erörtert. Partizipation und Konsens sind tragende Säulen der LA 21!

Ungleichaltrige Dauerwälder, ohne flächige Nutzungen und mit angemessenen Totholzanteilen speichern im Gegensatz zu Plantagen dauerhaft CO2 und dienen somit als CO2-Senken. Der Begriff des "kohlenstoffökologischen Waldmanagements" bringt die Bedeutung der Wälder und Waldnutzung für den globalen Kohlenstoffhaushalt zum Ausdruck.

Beispielhaft aus meinem Dezernat möchte ich den Bau des Walderlebnispfad Landwasser nennen. Hier bauten Schulklassen und Jugendhilfeeeinrichtungen unter fachlicher Anleitung des zuständigen Revierförsters und finanzieller Unterstützung des Bürgervereins gemeinsam einen Walderlebnispfad. Dieses Beispiel zeigt die erfolgreiche Einbindung verschiedener Gruppen in ein gemeinsames Projekt bürgerschaftlichen Engagements, in dem die Verwaltung unter stützende Funktion hat, die Initiative und Trägerschaft jedoch von der Bürgerschaft und Schulen ausgeht.

Ein wesentlicher Beitrag zum dauerhaften Erfolg der LA 21 liegt in der umwelt- pädagogischen Arbeit. Zur Sensibilisierung der nächsten Generation für das Thema nachhaltige Entwicklung und Wald führt allein das Forstamt jährlich 250 Veranstaltungen, großenteils mit Schulen und Kindergärten durch.

b) Holzverwendung in Freiburg

  • Die Holzverwendung im Baubereich hat in Freiburg bereits Tradition: Technisches Rathaus, Strandbad, oder Thermalbad sind hierfür beispielhaft
  • In jüngerer Zeit kamen viele vorbildliche Projekte hinzu, die zu einem erheblichen Teil auf die hier sehr engagierte "Freiburger Stadtbau" (FSB) zurückgehen:
  • Geschosswohnungsbau im neuen Stadtteil Rieselfeld der FSB
  • vorbildliche Projekte des städtischen Hochbauamtes wie der Holzkinder garten im Stadtteil Rieselfeld, weitere Projekte im Stadtteil Vauban
  • Solarsiedlung Schlierberg
  • zahlreiche Privatprojekte
  • Betriebshof des Forstamtes aus Douglasienholz des Stadtwaldes ohne Holzschutzmittel mit lokalen Unternehmern und Architekten realisiert
  • Eine weitere Steigerung der Holzverwendung im Baubereich ist aus umweltpolitischen Gründen lokal/regionaler geschlossener Wirtschaftskreisläufe und der Förderung mittelständischer Betrieben sinnvoll. Deshalb prüft die Stadtverwaltung derzeit Möglichkeiten zur Steigerung der Holzverwendung im Baubereich: Sanierung, Neubau, Innenausbau etc. Hierbei wird auf die Nutzung regionaler, unbehandelter Holzqualitäten besonders genau geachtet.

Holz spielt neben der Solarenergie auch als regenerativer Energieträger eine zunehmend wichtige Rolle. Mehrere städtische und private Projekte befassen sich mit solchen Vorhaben, darunter

  • im Stadtteil Vauban (ca. 5.000 EW)
  • Stadtbau Freiburg: "Zehntsteinweg", (ca. 200 Wohneinheiten)
  • Bürgerschaftliches Engagement: Weiherhofschule

4. Zusammenfassung

Kommunen tragen hohe Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung in Gegenwart und Zukunft. Gleichzeitig werden bei näherer Betrachtung jedoch auch die erheblichen Handlungsspielräume und die vielfältigen Anknüpfungspunkte erkennbar. Zukünftig impliziert kommunale Verantwortung selbstverständlich, eine Partizipation der Bevvölkerung aus verschiedenen Bereichen zuzulassen und auszubauen. Kreative Räume als "Zukunftswerkstätten" mit Bürgerschaft und Interessenvertretungen müssen geschaffen werden, um ganzheitliche Lösungsansätze für komplexe Probleme zu finden. Die Bürgergesellschaft der Zukunft verlangt Raum und Unterstützung für Bürgerschaftliches Engagement.

Der waldbesitzenden Gemeinde eröffnen sich damit zahlreiche Ansatzpunkte für Beiträge zum Klimaschutz durch Holzverwendung und Dauerwaldwirtschaft, Partizipation, Konsens mit Interessenvertretungen. Bürgerschaftliches Engagement und LA 21-Projekte im und um den Themenkreis "Wald, Holz und Gesellschaft".

Gerda Stuchlik
Dezernat für Umwelt, Bildung und Sport
Rathausplatz 2-4
79095 Freiburg i. Br.

Tel.: 0761 / 55 33 43
Fax: 0761 / 55 33 43