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Exposé zum Forschungsprojekt
Holz als Werkstoff und seine Bedeutung für die physische
und psychische Gesundheit des Menschen
Ein Beitrag zur Prüfung der wissenschaftlich-medizinischen, humanethologischen und kultursoziologischen Bedeutung des Holzes als Naturprodukt und vielseitiger Werkstoff für den Menschen
Vorbetrachtung
Das vom ALPENFORUM am 05. - 07. Juni 2003 durchgeführte Symposium
"Innovative Verarbeitung von Holz" hat verdeutlicht, dass hinsichtlich der Vorzüge eines Einsatzes von Holz im Bau -und Konstruktionswesen sowie als Gebrauchsprodukt ganz generell erhebliche Wissensdefizite sowohl in der wissenschaftlichen Literatur als vor allem auch in der öffentlichen Wahrnehmung und Wertschätzung bestehen.
Obwohl Holz zu den ältesten Werkstoffen des Menschen zählt, gibt es kaum umfassende, wissenschaftlich fundierte Studien über dessen Relevanz für das physische und psychische Wohlbefinden des Menschen. Das gilt namentlich für die zentralen Funktionen des Holzes im Bauwesen des privaten und öffentlichen Bereichs, sowie für Holz als wichtiges Konstruktionsmaterial im technischen Bereich.
Es gibt ein umfassendes Schrifttum zu den pysikalisch- technischen Qualifikationsmerkmalen von Holz im Vergleich zu anderen Werkstoffen wie beispielsweise Ziegel, Beton oder Kunststoff. Um so erstaunlicher ist es daher, dass entsprechende Studien zur gesundheitlichen Relevanz allenfalls in Bruchstücken existieren.
Während die ökologischen Funktionen des Waldes, namentlich die bioklimatischen, gut erforscht sind, ist wenig darüber bekannt, welches Verhältnis die Menschen zu einem zentralen Produkt haben, das der Wald liefert, nämlich zum Holz als vielseitigem Gebrauchsgut. Wer wüsste etwa nicht Bescheid über den existenziellen Beitrag des Waldes als Lieferant von Sauerstoff und Verwerter von Kohlendioxyd. Dagegen liegt weitgehend im Dunkeln, wie sich die Menschen gegenüber dem Naturprodukt Holz in affektiver, kognitiver und konnatativer Hinsicht verhalten. Überhaupt vermögen nur wenige zu sagen, durch welche besonderen Eigenschaften sich das Holz als Werkstoff auszeichnet.
Das ALPENFORUM prüft die Durchführung eines entsprechenden Forschungsprojektes, um die hier angezeigten Wissenslücken soweit möglich zu schließen. Die Projektdauer ist mit 2 Jahren angesetzt, der voraussichtliche Projektbeginn ist Anfang 2004 vorgesehen.
Methodik
Bei der Untersuchung wird in besonderem Maße auf naturwissenschaftliche Daten, auf Grundlagen der Medizin und Hygiene, sowie auf Aspekte der Humanethologie und Kultursoziologie zurückgegriffen. Als Instrumente der Datenerfassung werden neben der Literaturrecherche und Dokumentenanalyse die teilnehmende Beobachtung und das qualitative wie das quantitative Interview eingesetzt. Dem Projekt kommt damit Pilotcharakter zu Es beansprucht, an jenem Verständnis von praktisch nutzbarer Theorie maßgeblich ausgerichtet zu sein, das Immanuel Kant in seiner Schrift "Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis" im Auge hatte.
Fragenkomplexe
Genetisches
Der Mensch ist in phylogenetischer Hinsicht ein Kind der Savanne. So scheint er sich nicht im "dunklen" Wald, wohl aber in einer von Sträuchern und Baumgruppen durchsetzten grasigen Hügellandschaft, eben in einem Savannenhabitat, wohl zu fühlen. Irenäus Eibl-Eibelsfeldt geht davon aus, daß sich beim Menschen im Verlauf seiner Entwicklung eine - erblich fixierte - "Phytophylie" herausgebildet hat. Zu klären gilt es, ob sich diese Phytophylie auch auf den Naturstoff Holz erstreckt. Ruft etwa das Betrachten und Befühlen von Holz ein angenehmes Gefühl hervor?
Kulturelles
Der Mensch ist indessen nicht nur ein Naturwesen, sondern auch ein Geschöpf der Kultur. Es stellt sich also die Frage, ob auch tradierte Mythen und Ideologien sowie Sitten und Gebräuche die Nutzung von Materialien fördernd oder hemmend beeinflussen. Bekanntlich stellt im deutschen Kulturraum, und nicht nur in diesem, der Wald etwas Geheimnisvoll-Unheimliches dar und wird dagegen die freie, lichte Flur geschätzt. In seinem "Faust" hat zum Beispiel Goethe dieser Betrachtungsweise Ausdruck verliehen. Ob nun auch auf den Begriff "Holz" die negative Konnotation ausstrahlt, die der Vorstellung von Wald eigen ist, muß erkundet werden. Jedenfalls wohnten bis vor nicht allzu langer Zeit - auch in unseren Breiten - die ärmeren Leute in hölzernen Keuschen; wohingegen das Steinhaus von gehobener Kultur und eben Wohlstand zeugte. So gilt es zu klären, ob diese an der Art des Baumaterials ablesbare Statusverortung gegenwärtig noch nachwirkt. Daß indessen die in der letzten Zeit erfolgte Errichtung prestigeträchtiger Kultholzbauten wie Brücken und Freizeithallen den althergebrachten Baustoff-Dualismus beträchtlich relativiert hat, ist anzunehmen.
Wissenschaftlich-medizinisches
Weil es prioritär um die objektiven Eigenschaften des Holzes geht, wird zu ermitteln sein, in welchem Maße die Menschen über diese Eigenschaften, wie etwa Wärmeleitung und Strahlenschutz, informiert sind.
Eine besondere Wissenslücke gilt es hinsichtlich der Frage zu schließen, welchen Einfluss Holz im Bauwesen und als Einrichtungsmaterial im Hinblick auf das physische und psychische Wohlbefinden des Menschen und dessen objektiven, aber auch subjektiv empfundenen Gesundheitszustand ausübt.
Zu diesen Eigenschaften zählt auch, daß Holz gleichsam ein neurosefreies Wohnen erleichtert, weil es bei der Hausfrau den Zwang verringert, täglich gewienert werden zu müssen. In diesem Zusammenhang interessiert auch, ob und in welchem Maße die Menschen über die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten des Holzes Bescheid wissen. Herauszufinden ist auch, was Menschen am Holz schätzen - und zwar in material- und verwendungsmäßiger sowie in ästhetischer und hygienischer Hinsicht. Es versteht sich von selbst, daß dabei auch nach den Nachteilen zu fragen ist, die scheinbar oder tatsächlich dem Holz eigen sind.
Namentlich die einheimischen Waldbesitzer dürfte interessieren, ob sich deren Holz gegenüber dem ausländischen durch einen besonderen Affektionswert auszeichnet, der auch und nicht zuletzt qualitätsbedingt sein dürfte und eventuelle Preisunterschiede wettmachen könnte. Man kann wohl davon ausgehen, dass es Defizite beim "Holzwissen" gibt; und so stellt sich die Frage, wie diesem Mangel abgeholfen werden kann. Erstrebenswert wäre es, "Holzkunde" in den Lehrplänen der Pflichtschulen zu verankern. Schulwissen ist nämlich - entgegen populären Behauptungen - ein vergleichsweise dauerhaftes Wissen.
Image
Bereits Epiktet wußte: "Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen." Wenn wir uns für einen Gegenstand entscheiden, spielen gewiß dessen objektive Eigenschaften eine wichtige Rolle, aber es ist eben auch und nicht zuletzt die Vorstellung ("Image") bedeutsam, die wir vom Gegenstand haben. Dies gilt gerade auch für das Gebrauchsgut Holz. Bei der Ermittlung des Images des Holzes bietet sich die bewährte Methode des semantischen Differentials an. Bezugspunkt kann hierbei ein imaginärer idealer Baustoff sein. Das zu beurteilende Holz kann aber auch mit anderen Werkstoffen verglichen und dabei eine Rangordnung der einzelnen Materialien erstellt werden. Sinnvollerweise wird hierbei das Gut Holz nach seinem jeweiligen Endzustand zu unterscheiden sein; etwa auf diese Weise: Holzmöbel und -Gebrauchsobjekte; Holzböden und Einrichtungsgegenstände; Holzhäuser; Holzzweckbauten wie Holzhallen -oder Holzbrücken; Holzrepräsentativbauten; Brennholz (etwa für Kaminfeuer) oder Holz als Rohstoff für Heizkraftwerke.
Innovation
Wie jedes Produkt finden auch Erzeugnisse aus Holz dann breiteren Anklang, wenn sie zuerst von denen übernommen werden, die "an der Spitze des Fortschritts marschieren" (Thomas Mann), das sind gemeinhin die Innovatoren und Meinungsbildner. Die sogenannte "Arme Leute"- Innovation verbleibt dagegen gewöhnlich im Kreis eben dieser Leute. Am Beispiel bereits eingeführter innovativer Holzprodukte gilt es nun, den Adoptions- und Diffusionsprozess nachzuzeichnen. Zu klären ist hierbei unter anderem, welche Rolle neben dem Innovator als Vorbild, der zu charakterisieren ist, die einschlägige Werbung spielt. Herauszuarbeiten sind auch die Elemente, die letztlich die Kaufentscheidung bewirken. Von Bedeutung dürften hierbei der Preis, der Funktionswert, die Langlebigkeit, die Neuheit sowie die Ästhetik und der Prestigewert des Erzeugnisses sein.
Fazit
Ziel des Forschungsprojektes ist es, herauszufinden, auf welche Weise und in welchem Maße Holzerzeugnisse dazu beitragen können, Lebensqualität und das heißt vor allem Wohlgefühl in die Welt der Nutzer dieser Erzeugnisse zu bringen. Letztlich könnte damit auch dem verhängnisvollen "Abbau des Menschlichen" (Konrad Lorenz) nicht unwesentlich Einhalt geboten werden. Die Untersuchung dient so nicht nur den Käufern von Holzprodukten, sondern auch denen, die diese herstellen und die den Rohstoff hierfür liefern.
Weitere Informationen und Ansprechpartner:
Für die Projektleitung:
Univ.-Prof. Dr. Dr. habil. Franz Kromka
Institut für Sozialwissenschaft des Agrarbereichs
Schloß-Museumsflügel
Universität Hohenheim
70593 Stuttgart
Deutschland
Fon +49-711-459 26 40
Fax +49-711-459 26 52
e-mail: maulbets@uni-hohenheim.de
Für das ALPENFORUM:
Dr. Dipl.-Ing. Ian C. Meerkamp van Embden
Höllsteinstr. 20 h
61350 Bad Homburg
Deutschland
Tel. +49-6172-98 30 63
e-mail: ALPENFORUM@t-online.de
www.ALPENFORUM.org
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