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Holzarchitektur im Gebirge: Tradition und Moderne

Die Bewohner der Alpen haben im Lauf der Jahrhunderte eine charakteristische, regional geprägte "alpine" Bauweise ihrer Anwesen entwickelt. Holz spielte und spielt auch heute in dieser Entwicklung eine Schlüsselfunktion. Wie kaum ein anderer Werkstoff ermöglicht Holz seit Generationen ein schier unerschöpfliches, qualitativ hochwertiges Anwendungspotential in der Bauarchitektur. Auf den nachfolgenden Seiten verweisen wir an Hand einiger Beispiele auf die Erfahrung früherer Generationen und tradierte Konstruktionsmerkmale der Holzverarbeitung, sowie auf neuere Entwicklungen. Sie sind als Anschauungsmaterial für herkömmliche Bauelemente in Bergregionen, aber auch als Anreiz gedacht, auf dieser handwerklich soliden Grundlage neue Elemente der Holzbauweise zu entwickeln.

Historische Erfahrungen zur Holzgewinnung und Verarbeitung

Für den sogenannten Blockwandbau, wie beispielsweise im Pinzgau üblich, waren schlanke, lange, gesund gewachsene Stämme erforderlich. Sie sollten einen hohen Anteil an Schaftholz aufweisen. Diese Voraussetzungen wurden im Pinzgau vor allem durch die Fichte erfüllt. Großer Beliebtheit erfreute sich auch das harte Lärchenholz. Für die Lebensdauer des Bauholzes erwiesen sich in erster Linie als entscheidend:

  • Standort und Alter der gefällten Stämme
  • Das spezifische Gewicht des Holzes
  • Die Fällungszeit und
  • Die Art der Verarbeitung.

Diesen Faktoren wurde in früheren Zeiten größte Aufmerksamkeit geschenkt. Es wurde fast nur (mit der Axt ) behauenes und nicht geschnittenes Holz verwendet. Insbesondere legte man Wert darauf, dass nur außer Saft stehendes (saftarmes) Holz geschlagen und verbaut wurde. Das Holz wurde - soweit möglich - vor Nässe sorgfältig geschützt. Vermieden wurde eine Lagerung in Räumlichkeiten ohne ausreichende Luftzirkulation.

Nur die strenge Beachtung dieser tradierten Erfahrungen erklärt die überdurchschnittlich hohe Lebensdauer alter Holzbauten im Vergleich zur viel geringeren Dauerhaftigkeit vieler gleichaltriger, moderner Neubauten, bei denen solche Qualitätsnormen häufig eine nicht ausreichende Berücksichtigung gefunden haben: Mangelhafte Wahl des Standortes der Bäume, die Fällung der Stämme im Saft, zu kurze Trocknungszeiten und fehlende Sorgfalt bei der Verarbeitung sind die Hauptgründe für eine stark verkürzte Lebensdauer solcher Bauten.

Eine konservierende Imprägnierung des Holzes war den alten, bäuerlichen Höfen fremd. Auch Außenanstriche wurden nur in begrenztem Umfang angebracht, und dann nicht zur Konservierung, sondern allenfalls zu dekorativen Zwecken.

So finden sich im Pinzgau und andernorts Holzbauten aus dem 17., ja sogar aus dem 16. Jahrhundert, bei denen die Hauptkonstruktionsteile, also Decken und Wände, sich auch heute noch in vollkommen brauchbarem Zustand befinden.

Die hier kurz zusammengefassten Erfahrungen stimmen mit wissenschaftlichen Untersuchungen neuerer Zeit in auffallender Weise überein. So weiß heute jeder Bergbauer beispielsweise, dass haltbares, qualitativ hochwertiges Holz im Winter geschlagen werden muss. Die Praxis sieht in unserer heutigen, schnelllebigen Alpenwelt meist anders aus!

Konstruktionsbeispiele

Die nachfolgenden, auszugsweise abgebildeten Konstruktionsbeispiele sind einem historischen, 1894 erschienenen Band von J. Eigl zur österreichischen Holzarchitektur* entnommen (Maßstab 1:20):

  1. Glockentürmchen
  2. Verzierte Dachpfetten
  3. Balkon- und Giebelstrukturen
  4. Balkondetails
  5. Gangbrüstungen
  6. Gangdetails mit Blumentischen

J. Eigl "Das Salzburger Gebirgshaus", Ad. Lehmann, Wien 1894.