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ERGEBNIS DER GRÜNDUNGSSITZUNG TASK FORCE "NEW ECONOMY"

am 06. April 2001 in Wildhaus
ZUSAMMENFASSUNG

 

 

Die im April 2001 gegründete Task Force New Economy des ALPENFORUM bearbeitet in Kooperation mit dem IWS Institut für Wirtschafts- und Sozialfragen das Projekt E-Plattform Holz. Für den Alpenraum und für Bergregionen generell ist Holz als nachwachsender Rohstoff von grosser ökologischer, ökonomischer und sozialer Bedeutung.

2001/2002 sollen auf lokaler und regionaler Grundlage in einem "bottom-up"- Ansatz

  • die Kommunikation zwischen den Primärproduzenten und den Weiterverarbeitern von Holz verbessert werden
  • die lokalen Weiterverarbeitungsmöglichkeiten des Werkstoffs Holz vertieft und erweitert werden
  • die Information über innovative Holzanwendungen vermittelt und neue Forschungsergebnisse erschlossen werden
  • der Diskurs der Region zum Thema Nachhaltige Entwicklung angeregt werden.

Hierzu sind komplementär in Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgern aus Behörden, Politik und Wirtschaft die Möglichkeiten einer Informations- und Kommunikationsunterstützung entlang der Wertschöpfungskette zu nutzen und zu optimieren.

Teilergebnisse des Projektes sollen als Beitrag in das Internationale Jahr der Berge 2002 einfließen.

Art und Umfang der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und Sponsoren bedürfen der Klärung. Vom Ergebnis dieser noch zu erfolgenden Prüfung und den daraus resultierenden personellen Kapazitäten und Zeithorizonten sowie insbesondere der Finanzierbarkeit des Vorhabens muss die konkrete Projektdurchführung abhängig gemacht werden.

1. TASK FORCE NEW ECONOMY

Am 06. April 2001 hat sich die Task Force New Economy des ALPENFORUM in Kooperation mit dem IWS Institut für Wirtschafs- und Sozialfragen in Wildhaus / Schweiz gegründet. Die über den Gründerkreis hinaus noch zu erweiternde Arbeitsgruppe soll die Auseinandersetzung der New Economy mit dem Nachhaltigkeitskonzept vorantreiben und Anregungen für innovative Technikanwendungen geben, die mit dem Leitgedanken einer nachhaltigen Entwicklung der Alpen und den Vorstellungen der internationalen Alpenkonvention vereinbar sind.

1.1. Ziele der Task Force

Folgende allgemeine Ziele hat sich die Arbeitsgruppe gesetzt:
  • die Nutzung der New Economy und ihrer Technologien zur Schließung lokaler Wertschöpfungsketten, zur Verbesserung der lokalen Wertschöpfung und zur Vermeidung bzw. Reduzierung von Verkehr
  • die Weiterentwicklung und elektronische Vermittlung von hochwertigem lokalen, regionalen und überregionalen Wissen in den Bereichen nachwachsender Rohstoffe und darauf basierender Technologien
  • die Förderung der regionalen Kooperation von traditionellem Mittelstand und Trägern von technologischem Wissen
  • die Erhaltung kritischer Größen von lokalen alpinen Strukturen, deren Zerstörung (z.B. durch Abwanderung, Rückzug aus der Weiterverarbeitung von Primärprodukten) mit hohen sozialen und ökologischen Kosten einhergeht

1.2. Begriffsbestimmung

Für den Begriff "New Economy" werden heute verschiedene Definitionen verwendet:
  • Wirtschaftliche Auswirkungen einer Kombination von Globalisierung und Kommunikationstechnologie
  • Vernetzte Hochtechnologie (Definition des US-Handelsministeriums)
  • Internet-Ökonomie
  • Digitale Wirtschaft
Der Begriff umfasst somit je nach Auslegung Hochtechnologien ganz allgemein (vielfach auch unter Einschluss der Biotechnologie) oder auch neue ökonomische Denkmuster ("eine neue Art des Wirtschaftens") und neue Organisationsformen, jedoch immer unter Einbeziehung moderner elektronischer Kommunikations - und Informationstechniken. Folgende Merkmale sind für die New Economy charakteristisch:
  • die Globalisierung (Internationalisierung) der Märkte sowie der technischen und ökonomischen Kommunikation
  • eine ausgeprägte (digitale) Netzwerkstruktur in den technischen und ökonomischen Beziehungen sowohl intern als extern
  • eine erhöhte Transparenz hinsichtlich eigener und konkurrierender Leistungsangebote
  • eine Verkürzung der Reaktionszeiten im Datenaustausch zwischen Abnehmern (Kunden), Lieferanten und eigener (interner) Organisation
  • neue Managementsysteme zur Bewältigung des beschleunigten Datentransfers und der in immer kürzeren Abständen anstehenden Geschäftsentscheidungen
  • verstärkte Wissens- statt ausschließlicher Produktorientierung
  • Reduzierung der materiellen und energetischen Inputs bei Steigerung der "Intelligenz" von Produkten und Dienstleistungen
  • virtuelle Organisationsformen, Teamarbeit und flache Hierarchien statt starrer Unternehmensstrukturen
  • nicht allein die Vermögenswerte bestimmen die Bedeutung eines Unternehmens, sondern vor allem "immaterielle" Werte: Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter, exzellente, internationale Kunden-Lieferanten-Vernetzung, Markenname, Know-how und optimal angepasste Organisationsform
Dabei bleibt auch das enorme ökonomische Potential der Old Economy und ihrer Produkte für die Gesellschaft lebensnotwendig und unersetzlich. Doch ist entscheidend, wie die "alten" Wirtschaftszweige das neuen Denken einbinden und mit den neuen "Querschnitts"-Technologien umgehen. Wir wissen zwar nicht, welche Entwicklungen auf diesem Gebiet noch auf uns zukommen und welche konkreten Auswirkungen dies haben wird. Unter Ökonomen besteht jedoch weitgehender Konsens darüber, dass optimale volkswirtschaftliche Chancen nur in der sinnvollen Integration von Old und New Economy - und das heißt: durch wechselseitiges Lernen - bestehen.

1.3. Potentielle Anwendungen im Alpenraum

Hier seien nur einige Beispiele aus der großen Bandbreite von E-Conomy-Anwendungen genannt, die potenziell für die Alpenregion geeignet erscheinen.
  • Ausbildung im Netz, Teletraining
  • Elektronische Organisations- und Kommunikationsmethoden im Tourismus
  • Frühwarnsysteme für Katastrophen und Katastrophenmanagementsysteme
  • Geografische Informationssysteme
  • Direktvermarktung lokaler Agrarprodukte
  • Online-Shopping und Warendistributionszentren
  • Telearbeit, Satelliten- und Nachbarschaftsbüros
  • Telematik zur Verkehrsentflechtung
  • Telemedizin
  • Internetkonferenzen
Manche dieser Möglichkeiten werden bereits in unterschiedlichem Umfang genutzt oder sind im Alpenraum zumindest ansatzweise eingeführt worden.

1.4. Chancen und Risiken

Natürlich sind nicht alle Anwendungen und Erscheinungsformen der New Economy mit dem Konzept nachhaltigen Wachstums vereinbar. Hier müssen Risiken als auch Chancen differenziert ausgelotet werden. Auf jeden Fall berühren die Perspektiven der New Economy die künftige Entwicklung der Alpenregion ganz entscheidend. Doch ist das Wissen um die Anwendungspotenziale der E-Conomy - speziell im Hinblick auf Bergregionen - noch schwach entwickelt. Politik, Verwaltungen und private Unternehmen, regionale und lokale Tourismusmanager, der größte Teil der kleinen und mittleren Unternehmen und viele Ausbildungseinrichtungen sind unzureichend auf den anstehenden Wandel vorbereitet oder sich dieser Veränderungen noch gar nicht bewusst.

Um dieses Bewusstsein lokal und regional zu vertiefen und eine Diskussion um die angemessene Nutzung und Integration der E-Conomy in Bergregionen anzuregen, wird das Alpenforum zusammen mit dem Institut für Wirtschafts- und Sozialfragen in Visp gemeinsam lokale Projekte iniitieren, die dem Erfahrungsaustausch und der Strategiefindung im Bereich nachwachsender Rohstoffe am Beispiel Holz dienen sollen.

2. PROJEKT E-PLATTFORM HOLZ

Gegen den Hintergrund dieser allgemeinen Überlegungen betreibt die Task Force als erstes konkretes Vorhaben das Projekt E-Plattform Holz. Dieses Projekt soll

  • der Förderung innovativer Anwendungen der Informationstechnik mit den konkreten Zielen einer verbesserten Nutzung nachwachsender Rohstoffe, speziell der nachhaltigen Nutzung der Ressource Holz in der Alpenregion, und
  • der Entwicklung von fortgeschrittenem lokalen Know-how im Bereich holzverarbeitender Technologie und Verfahren dienen.
Viele der generellen Überlegungen und Planungen der Arbeitsgruppe und ganz speziell dieses Projektes werden auch außerhalb der Region von Interesse sein. Das ALPENFORUM sieht die Auseinandersetzung der New Economy am Beispiel der Förderung und produktiven Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz im Rahmen lokaler Wertschöpfungsketten als ein für Bergregionen, ja für alle peripheren Regionen generell relevantes Problem an.

2.1.Projektgrundlage

Das Projektkonzept stützt sich auf folgende grundsätzliche Feststellungen:

Holz
  • ist für den Alpenraum und für Bergregionen generell ein nachwachsender Rohstoff großer ökologischer, ökonomischer und sozialer Bedeutung
  • eignet sich als hochqualifizierter Werkstoff auf breiter Ebene u.a. für den Einsatz im Konstruktionswesen, in der Bau und Möbelindustrie sowie zahlreichen anderen Wirtschaftsbereichen und
  • gewinnt darüber hinaus zunehmende Bedeutung als weitgehend klimaneutraler Energielieferant für die Bevölkerung im Alpenraum
  • sichert im Rahmen der Forstwirtschaft sowie in der Holzverarbeitung viele tausend Arbeitsplätze in den Alpen und nimmt damit gerade dort eine soziale Schlüsselposition ein
  • erfüllt als Wald in Bergregionen ökologisch unersetzliche Funktionen
  • verkörpert bei innovativer und sinnvoller Nutzung in idealer Weise das Leitbild Sustainable Development.

2.2. Umsetzung

Im Jahr 2001 sollen so in lokalen Modellprojekten in einem "bottom-up"-Ansatz
  • die horizontale Kommunikation zwischen Primärproduzenten (Forstwirten) verbessert
  • ein vertieftes Wissen über lokale Weiterverarbeitungsmöglichkeiten - d.h. über die vertikale Verlängerung der Wertschöpfungskette - erzeugt werden
  • neue Informationen und Forschungsergebnisse zum Rohstoff Holz erschlossen und ausgetauscht werden
  • der Diskurs in der Region zum Thema Nachhaltigkeit angeregt werden
Durch den Dialog der Betroffenen in der Region wie z. B. Forstwirten und Forstbehörden, Architekten, Baufachleuten, kommunalen Repräsentanten und Vertretern regionaler Holzverarbeiter und den Bürgern selbst kann oftmals zuverlässiger erfahren werden, wo in der Holznutzung und deren Wertschöpfungskette Reibungspunkte und Fehlverständnis auftreten als durch die Befragung externer Entscheidungsträger.

Parallel zu diesen lokalen Projekten sind jedoch auch die Möglichkeiten einer überregionalen internetbasierten Kommunikations- und Kooperationsunterstützung der Akteure entlang der Wertschöpfungskette und die Zusammenarbeit mit den entscheidungsträgern aus Behörden, Politik und Wirtschaft zu erkunden. Hierzu soll auch externes Wissen genutzt werden.

Beide Aktivitätenstränge laufen zusammen in einer internetbasierten integrierten E-Plattform Holz. Diese sollte neben Holz- und Waldwirtschaft generell den Bereich der gesamten Veredelungskette vom Rohstoff über die Verarbeitung und technischen Anwendung bis zu den Fertigprodukten und zusätzlich ein integriertes Informationsangebot unter Einbeziehung von Forschung und der innovativen Entwicklung auf dem Gebiet der Holztechnologie umfassen.

2.3. Zu erwartender Mehrwert

Die Nutznießer einer solchen Plattform mit globalem Internet-Zugriff wären in erster Linie das gesamte Spektrum der alpinen Waldwirtschaft, die holztechnischen Betriebe und deren Zulieferer, der Bau- und Holzkonstruktionssektor, die Hersteller von Holzmöbeln, die Biomasse-Energie-Betriebe auf Holzbasis, die Zellstoff- und Papierindustrie, die Hersteller von Verbundwerkstoffen auf Lignin- oder Zellulose-Basis, der holztechnische Forschungs- und Entwicklungsbereich sowie private und staatliche Organisationen auf dem Holzsektor.

Ein Präsentationskonzept dieser Art mit dem Charakter eines integrierten Verbundes von Portal, Plattform und digitalem Marktplatz wird im Internet bislang nicht oder allenfalls nur punktuell angeboten.

2.4. Kooperationspartner

Modellhaft könnte ein solches Projekt in einer Kooperation mit dem österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasser in Wien, den jeweiligen Landesregierungen, der Initiative Pro Holz, mit maßgeblichen Vertretern der holzverarbeitenden Industrie, u. a. im Bereich des Holzkonstruktionswesens, sowie mit Holzforschungsinstituten innerhalb und auch ausserhalb des Alpenraums, ansetzen.

2.5. Zeitrahmen, Präsentation und Finanzierung

ALPENFORUM und IWS wollen die bis Anfang 2002 erzielten (Teil)ergebnisse im Rahmen dieses Projektes als Beitrag in das Internationale Jahr der Berge 2002 sowie gegebenenfalls auch in die nächste Konferenz des AlpenForum 2002 einbringen.

Die Umsetzung des Gesamtprojektes und dessen Laufdauer müssen von der Bereitschaft qualifizierter Kooperationspartner und/oder Sponsoren zur Mitarbeit und Finanzierung sowie von der personellen Kapazität abhängig gemacht werden. Die hierzu erforderlichen Prüfungen sind noch vorzunehmen.