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Holzkurier, 12. Juni 2003

Holzbau-Offensive notwendig

Export, Kooperation und Gesetzesvereinfachung forcieren

Hubert FritzObwohl die besten Zimmermeister im alpenländischen Raum leben, herrscht Untergangsstimmung, so Geschäftsführer Hubert Fritz, Baufritz, Erkheim/DE, anlässlich des Alpenforums für innovative Holzverarbeitung am 6. Juni in Murau. Hohe Qualität bedeutet leider nicht gleichzeitig Top-Nachfrage. Eine stärkere Markt- und Kundenorientierung ist erforderlich. Weiters gibt es zu wenig Neuerungen im Hausbau. Sensoren und Elektronik werden zukünftig im Wohnbau immer wichtiger sein. Auch sollte man die traditionelle Einstellung aufgeben, Holzbau darf nur Ho!z verwenden. Verschiedene Bauweisen mit Holz und Beton sind auf die Kundenwünsche abzustimmen.

Gesetzes-Vorschriften hemmen den stärkeren Holzeinsatz im Hausbau. Garantien des Herstellers könnten viele Rechtsnormen überflüssig machen. Aufgrund des Ökologiebewusstseins der Alpenbewohner hat der Holzbau hier einen einzigartigen Vorsprung.

Weltweit fehlen 650 Millionen Wohnungen. Aber mit Regionalität ist keine Expansion möglich. Weltweit gilt der Bau als der größte Markt, dem bereits 650 Mio. Wohnungen fehlen. Hier liegt die CHance des Mittelsstandes, mit exportoffensiven Anteilen mutig zu erobern. Neben dem asiatischen Raum sieht Fritz auch in Skandinavien Absatzmöglichkeiten für Holzbausysteme.

Kooperieren statt kopieren. Um international zu bestehen, ist die Kooperation ein wichtiger Erfolgsfaktor. Für Produktentwicklungen und Vermarktungsstrategien sollten sich mittelgroße Betriebe zusammenschließen, wobei es Neidbarrieren zu überwinden gilt. "Wachsen durch Teilen und nicht Herrschaftswissen ist im Internet-Zeitalter gefragt" so Ian C. Meerkamp van Embden, Präsident des veranstaltenden Alpenforums. Weiters würden finanzielle Förderungen für die Markteinführung eines Produktes sehr hilfreich sein.

Gute Erfahrungen mit selbst ausgewählten Kooperationspartnern hat man bei Freisinger, Ebbs, gemacht. Jeder muss seinee Daten offenlegen und mitarbeiten. Von der Clusteridee mit aufgesetzten Strukturen hält Geschaftsführer DI Paulus Freisinger nichts. Weiters wird mit Universitäten und Fachschulen zusammengearbeitet.

Hohe Brandbeständigkeit. Das unglaubliche Potenzial, das in Holz steckt, erläuterte Erwin ThomaDI Erwin Thoma, Thoma Holz, Goldegg. In Wärmedammung, Brandsicherheit, Raumklima und Gesundheit ist Holz anderen Werkstoffen überlegen oder gleichwertig. Trotzdem sind nur 6% der österreichischen Bausubstanz aus Holz. Thoma entwickelte verdübelte Wand-, Dach- und Deckenelemnete, die nur aus Holz bestehen (Holz 100). Es sind keine Leime und Metallteile enthalten. Besonders bemerkenswert ist die Brandbeständigkeit. Nach 3 Stunden Beflammung mit 1000° C ist noch immer die volle statische Tragfähigkeit gegeben.

Energie sparendes Fenster. Da dem vorherrschenden Motto "Save a tree use PVC" bald das Öl ausgeht, sieht Franz FreundorferDI Franz Freundorfer, Innovationszentrum Fensterbau, Oberaudorf/DE, und Freisinger für das Holz rosige Zeiten voraus. So werden Holzarten entsprechend ihren Eigenschaften eingesetz. Dauerhaftes Eichenholz kommt in den Außenbereich.

Dem Nasskern-Problem begegnet man damit, dass Fenster ausschließlich aus Tannenholz produziert werden. Weiters lässt sich Tanne mit Naturfarben gut einfärben, "Die Trocknung mit Sonne und Wind erwies sich als sehr wirtschaftlich", erläuterte Freundorfer. Mit dem theoretisch möglichen Passivhausstandard von 3 l/m³ könnten in Österreich und Deutschland jährlich rund 100 Mrd. l Erdöl in den Haushalten eingespart werden, Freisinger entwickelte auch ein Super Passivhausfenster mit Korkdichtung, das einen Uw-Wert von 0,45 W/m²K aufweist.

Nachhaltig wirtschaften mit Holz. Über das Impulsprogramm "Nachhaltig Wirtschaften" mit den 3 Aufgabenfeldern Haus der Zukunft, Fabrik der Zukunft und Energiesysteme der Zukunft referierte DI Brigitte Weiß, Bundesministerium für Verkehr Innovation und Technologie, Wien. Holz spielt als Baustoff, industrieller Werkstoff und erneuerbare Energie eine wichtige Rolle.

So werden Forschungsprojekte für den verdichteten Wohnbau und Holzgeschossbau unterstützt. Auch das Konzept der großflächigen Einführung von GIS-informations-Systemen in Waldverbänden (Waldverband Steiermark) dient der nachhaltigen Nutzung.

Holzprojekte mit 76 Mio. € gefördert. Zur Belebung der Holzforschung gab es von 1996 bis 1999 eine befristete Sonderaktion des Forschungsförderungsfonds für gewerbliche Wirschaft (FFF), Wien, So Alexander ReitererDI Dr. Alexander Reiterer, FFF. Es wurden über 300 Projekte mit insgesamt 76 Mio. € gefördert. Ab 2000 gab es eine Forcierung der Kompetenzzentren. Vor allem der Kooperationsanteil stieg in den geförderten Holzprojekten von 48 auf 62% an. Ebenso hat sich die Export-Quote verdoppelt.

Die höchsten Projektzahlen erreichten der konstruktive Holzbau 1701 und die Bearbeitungstechnologien (50). Weitere Forschung betraf Trocknung, Qualitätskontrolle, Einschnitt, Oberflächenschutz, Leim, Platten, Türen, Fenster Innenausbau, Möbel, Schalungselemente und Altholzverwertung.

Als Entwicklungsbeispiel für Holzbe- und -verarbeitungs-Maschinen nannte Reiterer die Zapfenfräs-Maschine für Rundholz von Neuhauser Fürlinger, Weißkirchen.

Im Holzbau befasste man sich mit flächigen Elementen (genagelt, verleimt, gedübelt), leistungsfähigen Brettschichtholz (Sortierung, Faserverstärkung, Holzarten) und Holz-Beton-Verbundteilen. So entwickelt Sohm Holzbautechnik, Alberschwende, diagonal verdübelte Elemente aus Holz.

Quelle:
Holzkurier Heft 24, 12. Juni 2003, S. 22