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Holz - ein Naturprodukt mit ökologischer, ökonomischer und sozialer Schlüsselfunktion im Alpenraum
PROJEKTVORHABEN ALPENFORUM + IWS:
1. Die ökonomische und soziale Bedeutung von Holz
Holz hat für den alpinen Raum eine enorme wirtschaftliche, ökologische und soziale Bedeutung. An Hand einiger Beispiele sei dies verdeutlicht:
Die Waldwirtschaft ist in den Alpenländern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber. Österreich beispielsweise weist eine Waldfläche von 3,92 Mio ha auf (Stand 1996); Holz ist Österreichs wichtigster Exportartikel. Der Holzzuwachs beträgt in Österreich jährlich 31,4 Mio Kubikmeter, der Holzexport hatte 1996 einen Wert von 63, 6 Mrd. ATS.
- Es gibt alleine in Oberösterreich 150 Biomasse-Energiebetriebe auf Holzbasis, denen 1500 Landwirte angeschlossen sind, sowie in ganz Österreich 7000 Hackschnitzelanlagen mit 22000 Arbeitsplätzen.
- Holz deckt 12 % des Energiebedarfs in Österreich
- Allein in der Steiermark gibt es rund 5000 Holzbetriebe mit Tausenden von Arbeitsplätzen Ihre Interessen sollen nach den Vorstellungen des dort zuständigen Landeswirtschaftsrates in ein sogenanntes "Holzcluster" zusammengefasst werden.
- Ein signifikanter Anteil der Österreichischen Wirtschaft lebt von der Leistung mittelständischer Betriebe im Bereich Holzverarbeitung, Holzkonstruktionswesen, in der Bauwirtschaft, Möbelherstellung, oder in der Papier und Zellstoff-Industrie.
2. Die ökologische Bedeutung von Holz
- Die enorme ökologische Bedeutung des Waldes als Filter für die Luftreinhaltung, als Wasserspeicher und als Schutz vor Erosion, Muren, Erdrutsch oder Lawinen im alpinen Raum bedarf keiner weiteren Erläuterung.
- Auch wenn die CO2-Bilanz des Holzes vom Wachstum und Einschlag über die Verarbeitung bis zur Verbrennung noch zahlreiche offene Fragen lässt, kann dieser nachwachsende Naturstoff zumindest tendenziell als CO2- neutral angesehen werden.
- Holz als verarbeitetes Naturprodukt ist grundsätzlich recyclingfähig. Als Roh- oder Abfallholz dient es komplementär zur Elektrizitätsgewinnung und vor allem als sinnvolle Alternative zu Verbrennung fossiler Energieträger.
3. Holz-Innovation und Wertschöpfung
Trotz guter Voraussetzungen kämpft der Rohstoff Holz mit beträchtlichen Problemen:
- Die Nutzung des Holzes hinkt hinter dem Wachstum des Waldes hinterher, und diese Kluft wird immer größer.
- Die Waldfläche in ganz Europa ist von 175 Mio. ha (Stand 1960) auf inzwischen über 200 Mio. ha angestiegen, der entsprechende Holzverbrauch aber nur von 13 auf 19 Mrd. Kubikmeter.
- Die jährliche Nutzung des Holz- Zuwachses beträgt in Österreich ca. 71 %, in der EU nur ca. 60 %. Auch in Deutschland könnte aus den gleichen Gründen der Holzeinschlag von 35 Mio. Kubikmeter auf 56 Mio. Kubikmeter erhöht w erden.
- In der (mengenmäßigen) Nutzung des Holzeinschlags im Alpenraum überwiegen Anwendungen und Verarbeitungen auf vergleichsweise niedriger technischer Veredlungsstufe mit entsprechend geringer Wertschöpfung.
- Trotz innovativer Fortschritte vor allem im Bereich des technischen Konstruktionswesens (z. B. bei der Herstellung von großen Produktionshallen aus Holz, oder im Holz- Brückenbau) beklagen Wissenschaftler und auch führende Hersteller immer noch bestehende Vorurteile hinsichtlich des möglichen Einsatzes Holz als hochwertigem Konstruktions- und Baumaterial.
Es fehlt nicht an unterschiedlichen Bemühungen, diese Situation zu Gunsten einer Förderung des Werkstoffs Holz zu ändern. So gibt es, verstreut über den ganzen Alpenraum, verschiedene "Holzinitiativen", darunter
- mehrere Holzgütesiegel
- Initiativen "pro Holz" (Holzinformationen und Websites zum Thema Holz u. a. in Österreich, Deutschland und der Schweiz),
- Nationale und internationale Kongresse über nachwachsende Rohstoffe, die sich unter anderem oder auch ganz speziell mit Holz, als bautechnisches Material, als Verbundwerkstoff, als kunsthandwerklicher Rohstoff oder als Energielieferant beschäftigen.
- überregionale Organisationen auf dem Gebiet erneuerbarer Energie (auch zum Einsatz von Holz), darunter CARMEN (Biomass Network Würzburg), EUBIA, (European Biomass Industry Assoc. Brüssel), und die ERMA (European Renewable Materials Assoc., Paris.)
- Eine Reihe von Holzforschungsinstituten im Umfeld des Alpenraumes, darunter Holzforschungsinstitute der Universität München und Graz
4. Sind die Holzinteressen fokussiert?
Gegen den Hintergrund der erläuterten Situation erscheint es verwunderlich, dass bislang offenbar keine Organisation existiert, welche die wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, technischen sowie ökologischen und sozialen Vorzüge des Naturproduktes Holz im alpinen Raum in integrierter form fokussiert-
Eine Recherche im Internet weist Organisationen aus, die in der Regel Teilaspekte einer wirtschaftlichen und technischen Handelsplattform darstellen. Es sind dies beispielsweise:
- "The Global Timber e-Market" www.Timber Web.co.uk
Diese Organisation ist eine e- Plattform mit Sitz in Kesgrave Hall, Suffolk, England und bearbeitet in ihrem Internet-Portal praktisch ausschließlich den Handel mit gefälltem oder ungefälltem, unbehandeltem Rohholz (Timber).
In der Mitgliederliste ist Österreich mit 11 kleineren Betrieben (meist Sägereien), Deutschland mit rund 30 Betrieben, meist kleinere Holzexporteure, verzeichnet.
Verarbeitungsbetriebe (z. B. Möbelhersteller), Bauunternehmen, Bioenergiezentren, Holzorientierte Verbände oder staatliche Organisationen fehlen, ebenso der gesamte Forschungs- und Entwicklungsbereich.
- Das "Portal zur Holzwirtschaft" www.holz.de
Das Portal umfasst eine längere, aber unstrukturierte Liste von Holz-Firmen unterschiedlicher Art, ferner u. a. eine Jobbörse auf dem Holzsektor sowie einige Hinweise auf kommende Holzveranstaltungen. Angekündigt wird unter "Veranstaltungen" zum Thema Holz.
- Infoholz.de
Eine im September 2001 neu ins Leben gerufene Website des deutschen Holzabsatzfonds. Umfangreiche und sauber strukturierte Informationen zur Bedeutung des Holzes generell und speziell zur Holzbauautechnik
5. Projektvorhaben des ALPENFORUM+IWS
5.1. Umfrage zum Thema Holz
I. Zielsetzung und Durchführung der Umfrage
Im Vorfeld des Aufbaus einer integrierten e-Plattform Holz wurde eine Umfrage im Alpenraum durchgeführt, um vor Ort die Ursachen für das Nachhinken der Holznutzung hinter dem tatsächlichen Holzwachstum im alpinen Wald, sowie Optionen einer Verbesserung dieser Situation zu erkunden. Außerdem sollten nicht nur die Möglichkeiten einer mengenmäßigen Steigerung der Holznutzung, sondern insbesondere auch die Chancen einer erhöhten Wertschöpfung in der Verarbeitung untersucht werden.
Ein hierfür entwickelter Fragenkatalog richtete sich bewusst an Einheimische in der Region selbst, und nicht an Entscheidungsträger von Politik und Verwaltung in der Landesregierung.
Die Umfrage sollte damit "bottom up" insbesondere die Zielgruppe der Waldbesitzer, Förster, Forstfachleute, Sägereibetriebe, holzverarbeitende Unternehmen, Vertreter des Holzfachhandels, im Holzbau tätige Architekten, Baufachleute sowie Vertreter
kommunaler oder regionaler Institutionen ansprechen, die mit dem Thema Holz befasst sind.
Bereits vorgegebene Antwortmöglichkeiten sollten durch den Befragten mit einer Punktzahl von 0 (gar keine Bedeutung) bis maximal 5 (entscheidende Bedeutung) bewertet werden. Die Befragten wurden außerdem ermuntert, in Ergänzung zu den bereits vorgegebenen Optionen eigene Antwortalternativen, sowie persönliche Erfahrungen und Überlegungen ein zu bringen. Von dieser Möglichkeit wurde in erfreulich hohem Umfang Gebrauch gemacht. Allen Beteiligten sei hierfür herzlich gedankt!
Die Befragungen wurden in der Zeit von Anfang Juli 2001 bis Ende August 2001 durchgeführt.
Die Resonanz auf dieses Projektvorhaben war überaus erfreulich.. Fast alle Befragten nahmen sich viel Zeit, um zu einer möglichst umfassenden Meinungsbildung beizutragen. Auffallend war die durchgängig positive Grundeinstellung zum Werkstoff Holz bei gleichzeitig kritischer Einschätzung der immer noch stark defizitären Profildarstellung dieses für den Alpenraum eminent wichtigen, nachwachsenden Rohstoffs.
Bei der Umsetzung und Auswertung dieser Projektarbeit hat sich einmal mehr bewahrheitet, dass das integrierte "Gruppenwissen" Bevölkerung deutlich größer sein kann als die einfache Addition von individuellen Einzelantworten.
5.2. Errichtung einer integrierten E-Plattform Holz
Die erhebliche wirtschaftliche, technische und soziale Bedeutung des Holzes als nachwachsender Rohstoff im Alpenraum rechtfertigt eine Fokussierung auf der Grundlage einer integrierten e-Plattform Holz. Diese sollte die ökologische und soziale Bedeutung der Holz- und Waldwirtschaft generell und Hinweise auf eine innovative Nutzung des Holzes unter Einbeziehung von Forschung Entwicklung auf dem Gebiet der Holztechnologie umfassen.
Die Ergebnisse der Befragung und der Aufbau eines informativen Holzprofils im Internet bilden Eckpfeiler des Projektvorhabens von ALPENFORUM und IWS.
Teilergebnisse sollen als Beitrag zum Internationalen Jahr der Berge 2002 eingebracht werden.
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